Lüftungskonzept

Lüftungskonzept nach DIN 1946-6

Die DIN 1946-6 „Lüftung von Wohnungen“ fordert die Erstellung eines Lüftungskonzepts:

  • bei Neubauten immer

  • bei Sanierungen, wenn

    • mehr als 1/3 der Fenster ausgetauscht werden oder

    • im Einfamilienhaus mehr als 1/3 der Dachfläche neu abgedichtet wird

Was ist ein Lüftungskonzept?

Der Planer legt fest, wie der notwendige Luftaustausch aus hygienischer Sicht und zum Schutz der Bausubstanz sichergestellt wird – unabhängig vom Nutzerverhalten.

Als Richtwert gilt:

  • ca. 30 m³ Frischluft pro Person und Stunde

  • daraus ergeben sich Luftwechselraten von ca. 0,3 bis 0,8 1/h

Das Ziel ist immer:
➡️ Sicherung der Luftqualität und Vermeidung von Feuchteschäden


Die vier Lüftungsstufen nach DIN 1946-6

  1. Lüftung zum Feuchteschutz

    • dient dem Bautenschutz

    • muss nutzerunabhängig sichergestellt sein

  2. Reduzierte Lüftung

    • Mindestanforderung an Hygiene und Feuchteschutz

  3. Nennlüftung

    • notwendiger Luftwechsel bei dauerhafter Anwesenheit

    • relevant bei ventilatorgestützten Systemen

  4. Intensivlüftung

    • zeitweise erhöhte Lüftung (z. B. Kochen, Duschen, Feuchtespitzen)


Lüften – aber richtig!

1. Freie Fensterlüftung (Stoßlüftung)

Auch im sanierten Gebäude kann Fensterlüftung ausreichen – wenn sie richtig erfolgt:

  • 2–3 Mal täglich

  • Fenster weit öffnen, 10–15 Minuten

  • ideal: Querlüftung (gegenüberliegende Fenster)

⚠️ Dauerhaft gekippte Fenster vermeiden!
→ hohe Energieverluste
→ erhöhtes Schimmelrisiko an Fensterlaibungen


2. Fensterfalzlüfter

Fensterfalzlüfter sind rein mechanische Lüftungselemente, die im Fensterfalz eingebaut werden:

  • für Holz- und Kunststofffenster

  • werkseitig oder nachrüstbar

  • nicht sichtbar bei geschlossenem Fenster

Vorteile:

  • kontinuierlicher Luftaustausch

  • feuchteabhängig, ohne Zugluft

  • keine Stromversorgung notwendig

  • nutzerunabhängig (Tag & Nacht, auch bei Abwesenheit)

Sie eignen sich:

  • zur Erfüllung der DIN 1946-6

  • teilweise auch zur Verbrennungsluftversorgung


3. Mechanische Abluftanlage

Bei der Abluftanlage wird:

  • Frischluft über Außenluftdurchlässe (z. B. Fensterfalzlüfter) nachgeführt

  • verbrauchte Luft kontinuierlich aus Küche, Bad, WC abgesaugt

Vorteile:

  • gerichtete Luftführung

  • hohe Lüftungseffizienz

  • kaum Zugluft

  • geringe Wärmeverluste

Kosten:
ca. 35 €/m² Wohnfläche
(z. B. ~3.500 € bei 100 m² EFH)

⚠️ Wichtig bei der Planung:

  • Luftgeschwindigkeit < 3 m/s

  • sonst: Geräusche & höhere Stromkosten

➡️ kostengünstigste Form der mechanischen Lüftung


4. Dezentrale Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung

  • einzelnes Lüftungsgerät je Raum

  • Einbau in die Außenwand

  • Wärmerückgewinnung ≥ 80 %

Vorteile:

  • einfache Installation

  • sehr leise (≤ 25 dB(A) in Grundstufe)

  • geringer Stromverbrauch (≈ 10 €/Jahr je Gerät)

  • auch für Schlafräume geeignet

Wartung:

  • Filterreinigung: alle 3–6 Monate

  • Wärmetauscher: ca. 1× jährlich


5. Zentrale Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung

  • aktive Zu- und Abluft

  • zentrale Wärmerückgewinnung

  • sehr geringe Lüftungswärmeverluste

Besonderheiten:

  • aufwändigeres Kanalsystem

  • sorgfältige Planung & Schalldämpfung erforderlich

  • sehr luftdichte Gebäudehülle notwendig

Bei guter Planung:

  • kaum Geräusche

  • geringer Stromverbrauch

  • hoher Komfortgewinn


Fazit

✔ Lüftung ist heute kein Komfortthema, sondern Bau- und Gesundheitsschutz
✔ Nach Sanierungen zwingend planen, nicht dem Zufall überlassen
✔ Die passende Lösung hängt ab von Gebäude, Nutzung und Budget
✔ Ein Lüftungskonzept nach DIN 1946-6 schafft Klarheit und Sicherheit

Zitat vom 28.04.2016 von http://www.ebz-stuttgart.de/energieratgeber/lueftung/

Mehr Infos für Mieter und Vermieter zum Thema Lüftung unter (Link):

http://www.bine.info/publikationen/basisenergie/publikation/lueften-und-energiesparen/